Autorinneninterview mit Katrin Koppold

Ende letzten Jahres habe ich mir Gedanken gemacht, was ich Neues auf meinem Blog veranstalten könnte. Nun, da ich gerne lese, könnte es was mit Büchern zu tun haben. Nur was? Buchfragen, Verlosungen und andere Dinge finden sich auch auf den anderen Blogs, also vielleicht doch etwas anderes? Ah, ich hab’s – Autoreninterviews! Mir bringt es hoffentlich zusätzliche LeserInnen (alles für die Quote – wie im Dschungel! *lach*), und für den jeweiligen Schreibenden ist es eine hoffentlich gute Werbung und macht Leser neugierig, die sonst vielleicht nicht zugegriffen hätten. Doch, das mache ich!

Und so dürft ihr nun an der Premiere teilnehmen, hier ist mein erstes Autorinneninterview mit der Autorin Katrin Koppold, die ihr Buch „Aussicht auf Sternschnuppen“ seit einiger Zeit in elektronischer Form veröffentlicht hat, eine Printversion wird ebenfalls in den nächsten Monaten erscheinen. Ich hoffe, ihr habt Spaß daran und meine neue Idee gefällt Euch!

Bild Katrin

Katrin, „Aussicht auf Sternschnuppen“ ist Dein erster Roman. Wann und wie hast Du das Schreiben für Dich entdeckt?
„Ein halbes Jahr nach der Geburt meines zweiten Kindes lag ich einen Tag lang total erkältet im Bett und habe einen Krimi der schottischen Schriftstellerin Val McDermid gelesen, der mir total gut gefallen hat. Und irgendwie war er dann da, der Gedanke! Das möchte ich auch machen – ein Buch schreiben. Ein Hunsrück-Krimi sollte es sein. Zu dieser Zeit waren Regionalkrimis gerade total im Kommen und ich dachte, dass die Region, in der ich aufgewachsen bin, auch ein wenig literarische Beachtung finden sollte. Nun ja, mit dem Krimischreiben hat es nicht geklappt. Mein Regionalkrimi liegt halbfertig in der Schublade und ich würde ihn nicht für viel Geld veröffentlichen wollen.
Geschrieben habe ich wie die meisten Schriftsteller schon immer gerne. Allerdings keine Romane, sondern Artikel für Schülerzeitungen und regionale Zeitungen, kürzere Geschichten, Gedichte. Schreiben ist bestimmt kein Talent, das einem einfach in den Schoß fällt. Letztendlich lernt man schreiben nur durch schreiben.“

Hast Du auch professionelle Hilfe genutzt, wie zum Beispiel Schreibworkshops oder ähnliches?
„Ja, ich habe ein zweijähriges Fernstudium an der Schule des Schreibens mit dem Schwerpunkt Belletristik absolviert und drei Internetkurse bei dem Kinder- und Jugendbuchautor Rainer Wekwerth besucht, in denen er mit mir zusammen die Konzepte von „Aussicht auf Sternschnuppen“ und „Zeit für Eisblumen“ ausgearbeitet und an dem ersten Roman gearbeitet hat. Alleine hätte ich es nicht geschafft. Da Schreiben viel mit Handwerk zu tun hat, hätte es bei mir an zu vielen Grundlagen gemangelt.“

Vom Schreiben im stillen Kämmerlein zum ersten eigenen Buch – was gab Dir den Mut, ein Buch zu wagen? Und wie wuppst Du das auch noch zusätzlich zu Familie und Job?
„Ich bin eigentlich ein sehr positiver Mensch, der davon ausgeht, dass sich schon alles richten wird. Als der Roman erst einmal in eine Form gebracht worden ist, mit der ich zufrieden war, hatte ich auch keine Angst, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich habe auch nie daran gezweifelt, dass es mit der Veröffentlichung klappt. Auch wenn ich hier andere Wege gehen musste, als ich zunächst wollte.
Ja, wie ich das alles schaffe! Im Moment würde ich sagen, gar nicht. Ende Februar muss ich den zweiten Roman an meinen Lektor geben und es fehlen noch zwei Kapitel sowie die komplette Überarbeitung, ich muss in den nächsten drei Wochen noch zwei Deutschschulaufgaben korrigieren, dann noch die ganzen PR-Maßnahmen zum Debutroman. Leider bin ich weder Heidi Klum, noch hat mein Tag 48 Stunden. Insgesamt betrachtet wurschtele ich mich also wahrscheinlich genauso durch wie die meisten berufstätigen Mütter.
Generell muss man aber sagen, dass ich viele Vorteile habe: Ich habe einen Mann, der mich in allen Bereichen sehr unterstützt und Hilfe im Haushalt, ich gehe nur an drei Tagen in der Woche arbeiten, und meine Kinder sind schon sehr selbstständig. Irgendwie geht es auch immer. Aber auf was ich wirklich fast total verzichten muss, ist es fernzusehen, im Internet zu surfen oder einfach einmal ein ganzes Wochenende zu faulenzen. Mein Tag ist immer ziemlich durchgeplant.“

Es gab sicherlich auch Rückschläge zu verkraften, magst Du uns auch darüber etwas erzählen?
„Wenn man Rückschlage so definiert, dass es Schläge sind, die einen auch tatsächlich zurückwerfen, dann nicht. Eine Enttäuschung hatte ich aber schon zu verkraften.
Nachdem ich mein Buch diversen Agenturen angeboten habe, kamen auch gleich die ersten Angebote. Die Agentin, bei der ich letztendlich auch unterschrieben habe, schaffte es auch, das Interesse von vierzehn Großverlagen zu wecken. Doch ein Verlagsvertrag ist trotzdem nicht entstanden. Dabei war ich aufgrund des positiven Feedbacks wirklich felsenfest davon überzeugt, dass es klappen würde. Das hat mich zu Beginn des letzten Jahres schon sehr heruntergezogen. Aber letztendlich war es gut so, wie alles gelaufen ist. Da ich die Rechte des Romans nicht auf Jahre hinaus an einen kleinen Verlag abtreten wollte, habe ich mich dazu entschlossen, das Buch selbst herauszubringen und ich denke, die Verkaufszahlen, die ich durch Amazon erreicht habe und auch diese Reichweite hätte mir ein kleiner Verlag nie beschaffen können.“

Nun aber zu Deinem Buch: welchem Genre würdest Du Dein Buch zuordnen? Ich finde, „Chick Lit“ trifft es nicht so richtig…
„Ich habe es den Verlagen unter dem Genre „humorvoller Frauenroman“ angeboten. Chick lit- Romane lese ich selbst gar nicht so gern, da sie zwar amüsant geschrieben, aber ziemlich oberflächlich und stereotyp sind. Ich interessiere mich sehr für Psychologie und versuche, viel von meinem Wissen auch in meine Figuren einfließen zu lassen. Ich bin fest davon überzeugt, dass kein Mensch nur schwarz oder nur weiß ist und möchte somit auch keine Figuren erschaffen, die ausschließlich positiv oder negativ belegt sind.
Vielleicht sagen jetzt einige: Aber Fee, die Schwester von Helga, die in dem nächsten Buch vorkommen wird, ist doch das typische Chick-Lit-Weibchen: hübsch, blond, oberflächlich. Das stimmt, und ich habe sie auch absichtlich so angelegt. Denn genau dieses Klischee der perfekten Blondine möchte ich im Nachfolgeroman wieder zerstören. Hinter Fees selbstbewusster Fassade steckt nämlich eigentlich ein sehr verletzlicher, unsicherer Mensch.“

Wem ist Deine Hauptperson Helga am ehesten nachempfunden? Gibt es dafür ein „Vorbild“ oder steckt viel von Dir in Helga?
„Helga sieht genauso aus wie eine ehemalige Kollegin von mir. Sie ist auf eine unaufdringliche Weise superhübsch, zieht sich eher unauffällig an und heißt darüber hinaus auch noch Helga. Von ihren beruflichen Interessen und ihrem Charakter ähnelt Helga einer Freundin von mir. Ihre Wünsche und Träume habe ich mir von den Menschen geliehen, die jetzt mit Mitte 30 feststellen, dass ihnen gar nicht mehr so viel Zeit bleibt, wenn sie ihren Traum von einer Familie noch verwirklichen wollen und das sind in meinem Bekanntenkreis wirklich ziemlich viele. Ja, und von mir…von mir stammen einige Erlebnisse wie z.B. die Schlüssel-Attacke. Mit achtzehn habe ich in einer Disko der neuen Freundin meines Exfreundes mal aus dem Hinterhalt ein Bierglas übergeworfen, aber da ich keine so gute Werferin wie Helga bin, habe ich zum Glück nicht getroffen. Ich habe mich dann zu Boden geworfen und bin weggekrabbelt. Etwas, was mir mein bester Freund heute noch vorwirft, da er zu diesem Zeitpunkt neben mir stand und fälschlicherweise für den Täter gehalten wurde. Ich kann dies ganz offen zugeben, denn ich habe diese Tat meinem Ex-Freund irgendwann gestanden. Er hat mittlerweile zwei Kinder von besagter Frau und wir verstehen uns wieder wirklich gut. Ansonsten steckt gar nicht so viel von mir in Helga. Ich ähnele vom Charakter her eher Helgas Schwester Fee.“

Wusstest Du von vorneherein die „Richtung“ des Romans, also hast Du die Story vorher schon „abgesteckt“ oder hast Du Dich beim Schreiben „treiben lassen“?
„Nein, ich hatte wirklich ein ganz klares Konzept, an dem ich mich auch entlang gehangelt habe. Natürlich kamen aber beim Schreiben einige Details hinzu, wie z.B. die Eindrücke von meiner Italienreise oder Menschen und Erlebnisse, die mich in irgendeiner Form beeinflusst haben, aber von meinem vorgezeichneten Weg abgewichen bin ich nicht. Die Schlussszene war übrigens eine der ersten Szenen, die ich geschrieben habe. Auch der Schluss von „Zeit für Eisblumen“ ist schon fertig. Aber normalerweise halte ich beim Schreiben schon eine chronologische Reihenfolge ein.“

Waren auch Deine Hauptpersonen schon vorgezeichnet oder hast du da während des Schreibens noch viel angepasst?
„Nein, auch meine Hauptfiguren sind vorher schon fertig. Wobei ich Giuseppe etwas modifiziert habe. Mein Schreiblehrer war entsetzt von meinen ersten Ideen und meinte, so verkommt der arme Kerl ja völlig zum Klischee. Beim zweiten Buch gibt es eine Figur, die ich mir auch noch einmal vorknöpfen möchte, weil sie mir derzeit noch zu oberflächlich erscheint. Momentan finde ich nicht so einen rechten Zugang zu ihr.“

Wenn Du Ideen für ein Buch sammelst, ertappst Du Dich oft dabei, dass Du Pärchen oder Personen im täglichen Leben besonders aufmerksam beobachtest?
„Nein, ich beobachte meine Mitmenschen nicht, obwohl das bestimmt auch eine gute Möglichkeit ist, interessante Charaktere zu erschaffen. Meistens kommen die Ideen ganz zufällig herangeflogen und die notiere ich natürlich auch immer sofort. Vor ein paar Tagen hat mir z.B. eine Bekannte erzählt, dass sie mit dem neuen Auto immer vor der Garage parken musste, weil diese so eng war und sie Angst hatte, etwas kaputt zu machen. Ihr Mann hat ihr jetzt, wo es kalt ist, die ganze Garage mit Styroporplatten ausgekleidet und nun hat sie morgens wieder ein warmes Auto. Ich fand das so süß, dass ich es in meinem dritten Buch verarbeiten werde. Lilly wird auf diese Weise herausfinden, wer der Richtige für sie ist.“

Wo schreibst Du und wie? Hast Du Rituale oder spezielle Uhrzeiten, zu denen Du besonders kreativ bist?
„Im Winter schreibe ich in meinem Arbeitszimmer und an meinen freien Tagen morgens, manchmal auch an ein paar Abenden, wobei ich dann schon immer ziemlich kaputt bin. Ich bin einfach kein Wintermensch. Im Sommer schreibe ich auf der Terrasse und wann immer es geht, manchmal auch bis tief in die Nacht bei immer schummeriger werdender Beleuchtung. Während der Schulzeit komme ich nicht so oft zum Schreiben. Das meiste entsteht in den Schulferien, wobei ich bei Familienurlauben den Computer daheim lasse.“

Könntest Du Dir auch vorstellen, mal in einem anderen Genre zu schreiben?
„Ja, ich würde gerne einen anspruchsvollen Jugendroman schreiben. So etwas wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Greene oder „Kaputte Suppe“ von Jenny Valentine. Wenn eine Idee zu mir herangeflogen kommt, dann mache ich das noch. Aber jetzt schreibe ich erst einmal noch Lillys Geschichte auf. Und vielleicht kommt mir beim Schreiben ja noch eine Idee, was Mia, die vierten Baum-Schwester, noch alles erleben könnte.“

Hast Du ein literarisches Vorbild?
„Marian Keyes. Niemand versteht es so gut, ernste Themen, wie Tod, Fehlgeburten, Drogensucht, humorvoll zu verpacken. Momentan kann ich sie allerdings gar nicht gut lesen, da ich ständig denke: „Aaaaah, sie ist so viel besser als ich.“ Einmal so schreiben zu können wie sie ist ein großer Ansporn für mich.
In der Self-Publisher-Szene sind Nancy Salchow, Emily Bold und Petra Röder meine Vorbilder. Sie machen unglaublich viel selbst, wofür ich mir Hilfe von außen suchen muss, und haben Erfolg ohne penetrantes Guerilla-Marketing. Mit Nancy und Emily habe ich auch schon Kontakt gehabt, und beide haben mir sofort ihre Hilfe angeboten, was ich wirklich sehr nett fand. Außer das „Luftblumenhaus“ von Nancy Salchow, was wirklich ganz entzückend ist, habe ich allerdings noch nichts von den dreien gelesen.“

Muss man selbst gerne lesen, um schreiben zu können?
„Ich denke, wer niemals am Ende eines Buches ein paar Tränen verdrückt hat, weil er sich nicht von der Welt oder den Personen, die ein Autor erschaffen hat, verabschieden wollte, der wird es auch nicht schaffen, selbst Leser mit seinen Geschichten zu berühren. Nein, ich denke, man muss die Magie der Worte schon am eigenen Leib erfahren haben, um schreiben zu können.“

Was würdest Du anderen NachwuchsautorInnen raten, die Ihre erste Veröffentlichung anstreben?
„Schreibt nicht nach irgendwelchen Trends, sondern erzählt von dem, was euch wirklich berührt! Dann werden eure Bücher auch eure Leser erreichen. Alles andere wäre nicht authentisch und zahlt sich auf Dauer bestimmt nicht aus. Und: Lasst euch helfen! Wenn ihr die finanziellen Mittel habt, erstellt das Konzept zusammen mit einem Profi und vor allem gebt das fertige Buch am Ende zu einem Lektor. Man ist als Autor leider ziemlich betriebsblind, was das eigene Werk angeht und sieht oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. Und vor allem: Redet nicht nur davon, macht es! Ob mit Hilfe eines Verlages oder aus eigener Kraft, wenn man etwas wirklich will, findet sich immer ein Weg.“

Liebe Katrin, herzlichen Dank für Deine Geduld und Deine Antworten! Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und gute Ideen, bleib, wie Du bist – ich bin gespannt, was es als Nächstes von Dir zu lesen gibt!

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3 Kommentare zu “Autorinneninterview mit Katrin Koppold

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